Datum: 14-12-17  Time: 23:45 Nachmittag

Autor Thema: Attitude today  (Gelesen 4792 mal)

Manuel

  • Parkour Hannover
  • **
  • Beiträge: 408
    • Profil anzeigen
Attitude today
« am: Januar 24, 2013, 10:21:37 Vormittag »
An dieser Stelle sei gesagt, dass es mich ankotzt.

Ich frage jemanden: “Bist Du bei der Session am Wochenende dabei?”

Einmal interessiert es mich wirklich, zum Anderen möchte ich Traceure, die noch nicht von der Session wissen darauf hinweisen, dass diese stattfinden wird.

Oder einer sagt mir: “Alter, bei der Session am Wochenende gibt’s krassestes Video! Ich werd die ganze Zeit Filmen! Ich hab jetzt ne Canon 1D mit fett Rig und Glidecam und 10.000.000.000 Euro Objektiven!!!”

Wenn dann eine Antwort kommt oder ich frage, warum derjenige nur Filmen und nicht trainieren will, dann kommt so eine oder eine ähnliche Antwort:

“Wenn ich mal so gut bin, dass ich in die Halle komme und sofort alle ihre Kameras auf mich richten und die mir Kästen für nen Zwölf-Fuß-Kong aufbauen und ich zu großen Veranstaltungen eingeladen werde, um den Leuten mein Parkour beizubringen, dann trainier ich auch wieder und filme nicht nur.”

Der Typ, der den Spruch oben gelassen hat ist nicht der einzige der so denkt, aber der erste, der es so unverblümt, respektlos und großkotzig auf den Punkt gebracht hat. Dieser Mensch hat nichts, aber auch wirklich gar nichts verstanden! Und für alle, die so oder so ähnlich denken gilt das selbe. Für diese Leute ist das Folgende...

Warum schreiben die Alten, die Traceure der ersten Stunde, immer wieder was am Training der neuen Traceure nicht stimmt, was da schief läuft und wie das Training und die innere Haltung aussehen sollten? Kannst du lesen? Interessierst du dich überhaupt für Parkour? Funktioniert das hohle Ding zwischen deinen Ohren?

Das fetteste Ding, was mich zur Weißglut treibt zuerst: Wie willst du jemals richtig gut werden, wenn du nie trainierst? Du laberst immer, dass du trainierst und gut werden willst, dass du Fame haben willst und die Leute dich vergöttern sollen, weil du so geil bist. Aber wenn mal eine echte Chance kommt, mit guten Traceuren zu trainieren, die dir wirklich noch was zeigen können und die dich über deine Grenzen hinaus zu Höchstleistungen animieren und motivieren, dann filmst kneifst du.

Ich fange jetzt nicht an, über Philosophie und Werte zu sprechen. Das verstehst du sowieso nicht. Viel wichtiger ist: Willst du dazu gehören und irgendwann wirklich gut werden?

Dann trainier. Schmeiß deine Kamera in die Ecke, zieh dir Turnschuhe an und geh auf die Straße. Nimm jede Zeit in der Halle mit, die du neben dem Beruf oder der Schule hinkriegen kannst, wenn dir die Straße zu dreckig, kalt, nass, öffentlich, hart oder mi mi mi mi mi ist... Denn ohne regelmäßiges, hartes Training kann man nicht gut werden. Ohne Training wird man in der Regel nicht mal mittelmäßig. Wenn ich dich frage, wann du den letzten Liegestütz gemacht hast, wann du das letzte Mal ein Obstacle überwunden hast, dann zuckst du mit den Schultern. Du guckst in ein Loch und fängst an zu diskutieren, dass du ja gar nicht rein geschaut hast oder schon so kaputt bist. Na und? Mach doch einfach die zehn läppischen Liegestütze. Ich habe schon blutige Anfänger gesehen, die kaum ihre ersten zehn geschafft haben, ohne einzubrechen und am Ende des Tages trotzdem über hundert gemacht hatten. Und die sind dabei geblieben. Die sind gut geworden. Und jetzt machen ihnen hundert Liegestütze nichts mehr aus.

Ich habe Frauen gesehen, die nicht einen einzigen Liegestütz geschafft haben. Die sind dabei geblieben, haben sich gepusht und schaffen jetzt locker zehn am Stück.

Hör auf, eine dumme Antwort zu formulieren und lies den verfickten Text zu Ende!

Beim Training geht es nicht um Fame, um Youtube-Videos oder Facebook-Fans. Es geht darum, sich selbst in den Arsch zu treten und mehr zu werden, als man ist. Es geht darum, so lange an einer Wand hoch zu laufen, bis man irgendwann endlich eine Hand auf den Rand legen und sich hoch ziehen kann. Es geht darum, einen Sprung nicht zwei Mal wackelig zu stehen und zum nächsten zu gehen mit dem Gefühl: “Ich bin so geil, ich kann einen 12 Fuß Präzi!”, sondern darum, dass dich um 2 Uhr in der Nacht einer wecken kann und du einen 6 Fuß Präzi hin knallst, den nicht mal der Hund vom Nachbarn hört. Es geht darum, zu jeder Zeit und auf jedem Untergrund rollen zu können, ohne sich die Schultern zu zerstören, nicht bloß auf dicken Matten in der Halle.

Das Training ist ein Jahre dauernder Prozess, den du niemals zum Abschluss bringen wirst, denn man lernt nie aus und der Körper muss immer gefördert werden, um nicht nach zu lassen.

Niemand verlangt, dass du von Anfang an fette Sachen ziehst. Denn das kannst du nicht. Wie auch? Aber weißt du, was ich an Parkour von Anfang an geliebt habe?

Du bist zwei Wochen dabei und kannst so gut wie nichts. Du springst jetzt schon das zwanzigste Mal an diese gottverfickte Wand und kannst dich einfach nicht hoch quälen. Nicht mal mit schmutzigen Tricks. Und Du wirst wütend auf dich selbst, weil Du so eine Lusche bist. Dann klopft dir einer auf die Schulter und sagt: “Das wird, mach erstmal was anderes und komm in na Stunde wieder...” Du machst, was der Typ gesagt hat, weil der ja schon länger dabei ist und Ahnung haben sollte. Du gehst an eine kleine Mauer und versuchst Flow... geht so... Machst ein paar Präzis und tust dir bei einer Rolle an der Schulter weh. Das ist nicht dein Tag. Du setzt dich hin und trinkst was, versuchst wieder runter zu kommen und guckst den anderen zu. Jemand macht einen Backflip. Anerkennendes Nicken von den Leuten. Ein anderer zieht eine Flowline. Geil. Die Leute machen Kommentare und Loben ihn. Du denkst, Du wirst das nie schaffen und gehst resigniert zurück zu deiner Wand. Nur noch ein Mal... Du läufst an und rennst gegen den Beton... ziehst... du hast es fast geschafft, da fehlen nur noch ein paar Zentimeter... Du wirst ruhiger. Schiebst die Wut zur Seite und atmest tief durch. Du rennst an und kletterst das erste Mal diese verfickte, scheiß, drecks, kack, piss Mauer hoch und im nächsten Moment empfängt dich frenetischer Jubel, denn jeder einzelne Traceur auf dem ganzen Spot hat dir und nur dir zugeschaut, wie du dich nach Training, Resignation und Verzweiflung doch wieder aufgerafft hast, um das Obstacle hinter dir zu lassen. Wie du dich nicht hast unterkriegen lassen von den Grenzen, die dir dein Körper zu diktieren versucht und es am Ende geschafft hast. Sie jubeln nicht, weil einer einen Flip zieht oder eine geile Flowline. Klar finden sie das gut, aber den Jubel bekommst nur du, weil du über dich hinaus gewachsen bist und einen riesigen Schritt gemacht hast von dem, was du warst zu dem, was du nun bist. Und das ist alles, was für diese Menschen zählt. Du wirst keine Klicks auf Youtube und keine Likes bei Facebook dafür bekommen und die Leute werden sich vielleicht nicht mal an deinen Namen erinnern. Aber der größte Jubel an diesem Tag, der größte Applaus und die Erinnerungen der Menschen an den Typen, der an diesem Tag das erste Mal diese Mauer überwunden hat gehören nur dir.

Es ist, ein Teil der Familie zu sein, die hinter dir steht, wenn dich einer anmacht oder dein Leben komplett den Bach runter geht. Es ist der ständige Kampf gegen die eigene Trägheit und den eigenen Körper, den du niemals gewinnen, aber mit genug Einsatz dominieren kannst. Die Stunden an der frischen Luft, auf warmen Sandsteinmauern oder im Wald zwischen halb verrotteten Baumstämmen, auf einer Wiese oder an einem See. Die Abende in stickigen, viel zu engen Hallen. Die Schmerzen, wenn dir im Winter die Hände auftauen, nachdem du Stunden draußen rumgeklettert bist. Und der Muskelkater, wenn du an einem Montag die Treppen zum Büro oder Klassenzimmer hoch gehst und weißt, dass du ein ganzes Wochenende nur trainiert hast mit Menschen, die dich verstehen und dafür lieben und bewundern, dass du es durchziehst und dich nicht von deinem inneren Schweinehund besiegen lässt.

Stell die scheiß Kamera in die Ecke! Das Filmen läuft dir nicht weg. Eine verpasste Session wird niemals wieder kommen. Es reicht nicht, anwesend zu sein, wenn man Parkour erleben, gut werden und dazu gehören will. Du musst dabei sein. Mit deiner ganzen Energie und deinem ganzen Herzen. Denn Parkour kann jeden Platz füllen, der in deinem Herzen leer und dunkel ist. Mit Freunden, Familie, Stolz, Mut, Hingabe, Disziplin, Abenteuer...

Sei ehrlich zu dir selbst und reiß dich am riemen. Du wirst nie gut im Parkour (oder in irgend etwas anderem) wenn du dich einer Sache nicht verschreibst und sie durchziehst, auch wenn die Lernkurve abflacht oder du mal ein paar Monate auf der Stelle stehst. Nur, wenn du weiter machst, wenn es anfängt schwer zu werden, wirst du irgendwann der Typ sein, auf den die Leute die Kamera richten, wenn er in die Halle kommt. Aber ich garantiere dir: Wenn es soweit ist, hast du verstanden worum es geht und es wird dir scheiß egal sein.

Dome

  • Parkour Hannover
  • **
  • Beiträge: 164
    • Profil anzeigen
Re: Attitude today
« Antwort #1 am: Januar 24, 2013, 11:33:12 Vormittag »
Sehr nicer Text :) Da hat sich wohl jemand heut morgen hingesetzt und seine Gedanken niedergeschrieben!
Stimme dir auch in jedem genanntem Punkt zu. Spitze!

PS:
Du rennst an und kletterst das erste Mal diese verfickte, scheiß, drecks, kack, piss Mauer hoch
Destruktive Kritik an sich selbst bringt nichts. :) Nicht mal im Gedanken. Lern über dich selbst zu lachen, wenn du etwas nicht hinbekommst. Zieh alles Gute aus jedem Schlechten.
Auch wenn mans am Ende nicht schafft. "Hahahaha, das war wohl heut nichts. Naja beim nächsten Mal".

Marcel-PK

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 26
    • Profil anzeigen
Re: Attitude today
« Antwort #2 am: Januar 24, 2013, 11:49:36 Vormittag »
Wo ist der like button? :* Ne jetzt mal im ernst sehr schön aufn Punkt gebracht sollte man auf die Startseite klatchen!
Es gibt Leute die nicht trainieren weil sie denken das ihr Flow nicht gut genug ist und scheiße aussieht oO Man kann keinen guten Flow nach lächerlichen 2,4,7,9 Monaten haben. Wenn sie ihren Sideflip können verpissen sie sich, so seh ich das immer beim Hallentraining. Aber es gibt noch viel krassere Leute und es wird von jahr zu jahr schlimmer, es gibt die die Parkour machen und die die Parkour LIEBEN und LEBEN! Als ich 09 das erste mal mit den Leuten von Parkour Hannover trainiert habe habe ich es geliebt, heute hasse ich es. Es sind ja nicht alle so aber zuviele. Die leute sollen sich nicht wundern das sie nicht besser werden wenn sie beim 5 Stunden training 5 Stunden rumsitzen und nichts tun oO wie ich das hasse und dann sagen ja ich mache Parkour oO
i Can!

TobiG

  • Trainer
  • Parkour Hannover
  • *
  • Beiträge: 221
    • Profil anzeigen
Re: Attitude today
« Antwort #3 am: Januar 24, 2013, 03:15:16 Nachmittag »
Sehr geiler Text.
Würde jetzt am liebsten raus und trainieren.

Tim

  • Trainer
  • Parkour Hannover
  • *
  • Beiträge: 857
  • Parkour c'est un art du vivre!
    • Profil anzeigen
    • Videos von Liquid Madhouse und Trainingsstuff <3
Re: Attitude today
« Antwort #4 am: Januar 26, 2013, 01:27:29 Nachmittag »
Sehr gut Manu! Trotz des essayistischen Stiles kannst du weniger Schimpfwörter benutzen. JULEICA, Vorbildsfunktion ;)
Wenn es Nacht ist und es regnet, du Angst hast, fliehen oder kämpfen musst, dann läuft kein Dubstep.

Manuel

  • Parkour Hannover
  • **
  • Beiträge: 408
    • Profil anzeigen
Re: Attitude today
« Antwort #5 am: Januar 26, 2013, 09:14:39 Nachmittag »
Hast Recht, sorry. Meine Emotionen und so ;)

Der Text, der grad in Arbeit ist, ist deutlich weniger kontaminiert ^^

Laser

  • Genkidama
  • Parkour Hannover
  • ***
  • Beiträge: 135
    • Profil anzeigen
Re: Attitude today
« Antwort #6 am: Januar 29, 2013, 11:07:46 Nachmittag »
joho *WORD*

etwas überspitz das zu Papier gebracht was die meinsten von uns schon viel zu lange denken.

Die Frage sollte aber nicht unbedingt sein "was läuft bei den Leuten verkehrt", sonder sie könnte eher lauten

"was können wir tun, um diesen und anderen Menschen zu zeigen wie es aussehen sollte"
<3

Leben heißt auch lehren.
"Tu erst das Notwendige, dann das Mögliche, und plötzlich schaffst du das Unmögliche."

~Franz von Assisi

Manuel

  • Parkour Hannover
  • **
  • Beiträge: 408
    • Profil anzeigen
Re: Attitude today
« Antwort #7 am: Januar 29, 2013, 11:40:18 Nachmittag »
Leben heißt auch lehren.

Daher ist der Text öffentlich ;) Als Teil des großen Ganzen.

Steffen

  • Parkour Hannover
  • **
  • Beiträge: 753
    • Profil anzeigen
Re: Attitude today
« Antwort #8 am: Januar 30, 2013, 12:47:58 Vormittag »
Ich finde u.a. das Ins-Loch-gucken-Spiel sehr bescheuert. Wenn jemand keine Lust hat, die Liegestütze zu machen, dann macht er sie eben nicht. Wenn jemand hinein guckt und sich bei anschließendem Insistieren aller anderen, die Liegestützen auch ja zu machen, denkt: "Und wieso nun genau?" kann ich das sehr verstehen. Nur weil man sich in einem Umfeld bewegt, in dem die Leute Parkour machen, heißt das nicht, dass man sich automatisch jedem sozialen Mechanismus solcher Netzwerke anschließen muss. Denn trotz edler großer Sache ist auch hier niemand automatisch gefeit vor Stupiditäten wie Gruppenzwang und nicht hinterfragten sozialen Dynamiken.

Dein Text hat darüber hinaus einen so anklagenden Aufforderungscharakter, dass mir die eigentlich sehr positive Grundaussage an mancher Stelle stark überschattet vorkommt und ich gegen die ein oder andere Zeile regelrecht abwehrend reagiert habe beim Lesen.
« Letzte Änderung: Januar 30, 2013, 12:50:09 Vormittag von Steffen »

Manuel

  • Parkour Hannover
  • **
  • Beiträge: 408
    • Profil anzeigen
Re: Attitude today
« Antwort #9 am: Januar 30, 2013, 01:48:04 Nachmittag »
Ich finde u.a. das Ins-Loch-gucken-Spiel sehr bescheuert. Wenn jemand keine Lust hat, die Liegestütze zu machen, dann macht er sie eben nicht. Wenn jemand hinein guckt und sich bei anschließendem Insistieren aller anderen, die Liegestützen auch ja zu machen, denkt: "Und wieso nun genau?" kann ich das sehr verstehen. Nur weil man sich in einem Umfeld bewegt, in dem die Leute Parkour machen, heißt das nicht, dass man sich automatisch jedem sozialen Mechanismus solcher Netzwerke anschließen muss. Denn trotz edler großer Sache ist auch hier niemand automatisch gefeit vor Stupiditäten wie Gruppenzwang und nicht hinterfragten sozialen Dynamiken.

Gerade das Loch-Spiel hat einen Sinn. Wer den nicht sieht, kann entweder nachfragen, oder nachdenken. Es geht bei diesen Spielen um Gemeinschaft und Training (klar, es gibt auch Leute, die lieber allein um stillen Kämmerlein ihre Liegestütze machen. Ich halte dieses Verhalten allerdings für ziemlich bedenklich). Nach deiner Argumentation kann man auch hinterfragen, wieso man beim gemeinsamen Aufwärmen mitmachen soll. Es geht da um dasselbe Prinzip.

Dein Text hat darüber hinaus einen so anklagenden Aufforderungscharakter, dass mir die eigentlich sehr positive Grundaussage an mancher Stelle stark überschattet vorkommt und ich gegen die ein oder andere Zeile regelrecht abwehrend reagiert habe beim Lesen.

Es ist eine Anklage und eine Aufforderung. Entweder ist deine Kritik irgendwie missverständlich formuliert, oder es ist in meinem Text noch nicht deutlich genug geworden, worum es mir eigentlich geht.
Wenn man diesem Text gegenüber in eine Abwehrhaltung geht, sollte man sich vielleicht fragen, ob man nicht zu denen gehört, die von dem Text angesprochen werden.

Steffen

  • Parkour Hannover
  • **
  • Beiträge: 753
    • Profil anzeigen
Re: Attitude today
« Antwort #10 am: Januar 30, 2013, 03:58:16 Nachmittag »
Ich finde u.a. das Ins-Loch-gucken-Spiel sehr bescheuert. Wenn jemand keine Lust hat, die Liegestütze zu machen, dann macht er sie eben nicht. Wenn jemand hinein guckt und sich bei anschließendem Insistieren aller anderen, die Liegestützen auch ja zu machen, denkt: "Und wieso nun genau?" kann ich das sehr verstehen. Nur weil man sich in einem Umfeld bewegt, in dem die Leute Parkour machen, heißt das nicht, dass man sich automatisch jedem sozialen Mechanismus solcher Netzwerke anschließen muss. Denn trotz edler großer Sache ist auch hier niemand automatisch gefeit vor Stupiditäten wie Gruppenzwang und nicht hinterfragten sozialen Dynamiken.

Gerade das Loch-Spiel hat einen Sinn. Wer den nicht sieht, kann entweder nachfragen, oder nachdenken. Es geht bei diesen Spielen um Gemeinschaft und Training (klar, es gibt auch Leute, die lieber allein um stillen Kämmerlein ihre Liegestütze machen. Ich halte dieses Verhalten allerdings für ziemlich bedenklich). Nach deiner Argumentation kann man auch hinterfragen, wieso man beim gemeinsamen Aufwärmen mitmachen soll. Es geht da um dasselbe Prinzip.

Dein Text hat darüber hinaus einen so anklagenden Aufforderungscharakter, dass mir die eigentlich sehr positive Grundaussage an mancher Stelle stark überschattet vorkommt und ich gegen die ein oder andere Zeile regelrecht abwehrend reagiert habe beim Lesen.

Es ist eine Anklage und eine Aufforderung. Entweder ist deine Kritik irgendwie missverständlich formuliert, oder es ist in meinem Text noch nicht deutlich genug geworden, worum es mir eigentlich geht.
Wenn man diesem Text gegenüber in eine Abwehrhaltung geht, sollte man sich vielleicht fragen, ob man nicht zu denen gehört, die von dem Text angesprochen werden.

Richtig, jeder soll nachdenken und hinterfragen. Und genau deshalb soll auch jeder für sich selbst entscheiden, ob er Teil des Spiels sein will oder nicht. Und ja, es ist das gleiche Prinzip wie beim Aufwärmen - deshalb kann, zumindest montags, ja auch jeder für sich selbst entscheiden ob er kommt oder nicht. Ich verstehe was du meinst, aber es darf dennoch niemals Zwang zu irgendetwas bestehen, ganz gleich welchen "Sinn" er dann auch hat. Um wirklich den letzten Grad von Intensität zu bekommen muss jedwede Trainingsmotivation frei von Fremdeinflüssen sein.

Einem Blane bspw. gestehe ich den anklagenden Charakter übrigens voll und ganz zu. Um aber legitim aus einer solchen Position in einem derartigen Ton zu schreiben wie du es tust, gehört für mich ein ganzes Stück mehr Kongruenz, als du oder ich sie aufweisen könnten. Denn ja, natürlich habe ich auch mich vor dem Text reflektiert, das ist ja der Sinn eines solchen, egal ob man dem nun zustimmt oder wie ich eine Abwehrhaltung einnimmt.